Erbärmliche Preise und ein Gefühl von Barry Manilow

Ich habe mich rar gemacht. Und das auf meiner eigenen Webseite. Fragt mich nicht, wo die Zeit hingegangen ist, seit Anfang Dezember. Sonderlich faul bin ich nicht gewesen (zumindest fühl ich mich nicht echt erholt). Da gab’s mal Weihnachten mit viel Familie (und Quality Time, wie meine Älteste das nennt), Zeit Zuhause in Österreich und dann noch eine Reise nach Indien. Daneben wurde am Roman gefeilt und neue Erzählungen sind entstanden.

Und ich hatte mir auch vorgenommen wieder mehr auf Bühnen zu stehen.

So auch vor Weihnachten, als ich bei der aus.lese in der Weinerei aufgetreten bin. Diese herrliche Lesebühne in Nürnberg macht immer Spaß und man trifft interessante Menschen. Diesmal etwa den Slammer Felix Kaden. Seines Zeichens slammt er sich nicht nur seit mehr als zehn Jahren über diverse Bühnen, sondern moderiert auch Veranstaltungen quer Beet. Und Felix hat mich nach der aus.lese angesprochen und aufgefordert, doch mal bei einer seiner Veranstaltungen aufzutreten.

Dazu sollte man wissen: Poetry Slam hat in Deutschland mittlerweile mehr als 20 Jahre auf dem Buckel, trotzdem liegt das Rentenalter der Teilnehmer bei gefühlten 30 Jahren. Und der letzte Slam, an dem ich teilgenommen habe, fand vor mehr als sieben Jahren statt (wie man auf dieser wunderbaren Webseite nach wie vor sehen kann).

Aber klar, trotzdem habe ich zugesagt — um mich nachher immer wieder zu fragen: Warum nur?

Nun, nachdem ich im Januar bei zwei Slams aufgetreten bin, weiß ich warum.

Die Zusage im Hinterkopf habe ich Ideen, die ohnehin immer herumschwirren, nicht einfach weiterziehen (oder im Alltag versinken) lassen, sondern sie gepackt und aufgeschrieben. So sind neue Texte entstanden, die auch auf die Bühne gebracht werden wollten. Und Rückzieher gibt es ohnehin keinen. Also raus aus der Komfortzone und vor den Vorhang – also bildlich gesprochen: nicht notwendigerweise ist immer einer vorhanden; manchmal fehlt es beim Slam an fast allem, beispielsweise an der Heizung (an der Stelle Grüße in den Keller des Erlanger Gummi Wörner).

Woran es aber tatsächlich nie fehlt sind Poeten, die inspirieren, unterhalten, aufrütteln, träumen lassen … und Teil davon zu sein, ist schon ein ziemlich gutes Gefühl.

Offiziell ist ein Poetry Slam ein Wettstreit, aber eigentlich ist es komplett egal, wie es ausgeht. Nicht nur weil Felix – sorry, aber er weiß es – sowieso nur erbärmliche Preise hat. Einzig, man will seine Texte präsentieren, will den Kontakt mit dem Publikum. Es geht also nicht um Ruhm, Ehre oder Preise – zumindest nicht für mich – sondern um Leidenschaft an den Texten und um den Austausch mit den Zuhörern und anderen Poeten.

Teilweise wird es auch albern, wenn es beispielsweise zum Ganz-Körper-Schnick-Schnack-Schnuck oder zur Schinkenabstimmung kommt, aber was soll’s, auch Klamauk gehört zu einer Pop-Kultur, die sich gegen das Älterwerden sträubt wie Barry Manilow.

Dennoch, ein wenig Exot bleibt man als ein Vertreter der Lesebühnen (wie es in der Ansage heißt) und auch bei der Einlass habe ich offensichtlich nicht die richtigen Worte gefunden:

„Ich bin einer der Lesenden.“

Die Dame an der Kasse: „Wer sind Sie?“ Pause für Transferleistung. „Ah, ein Slammer sind Sie!“

Nun gut, dann bin ich halt wieder ein Slammer. Sehr schön.

Foto: Ulli Raab / Forchheim

29.01.: Revolte Slam Erlangen, Gummi Wörner
30.01.: Poetry Slam Forchheim, Junges Theater

 

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