Erzählung des Monats – 09/17

Die Epidemie

Werner Mant war der erste Mensch, bei dem die Symptome aufgetreten waren. Wie viele andere, die folgen sollten, war er nicht im Geringsten darauf vorbereitet gewesen. Mant, 53 Jahre alt, stand an der Ampel, die Aktentasche in der einen, eine Wurstsemmel in der anderen Hand. Kaute. Wegen eines dringenden Kundengesprächs hatte er es eilig. Es ging um eine nicht unerhebliche Summe. Ungeduldig wartete er auf das grüne Signal, sein Fuß zuckte bereits nervös an der Gehsteigkante. Dann sprang die Ampel um und in diesem Bruchteil der Sekunde passierte es.

 

——————- Was in der Sekunde passierte und welche Folgen es hatte, war der Inhalt der Erzählung im September. Für mich war „Die Epidemie“ ein ganz besonderer Text, weil er ein Anliegen im Auge hatte, das mir eine Herzensangelegenheit ist. Alles weitere dazu könnt ihr in meinem Blog unter „Es liegt an uns!“ bzw. „Es liegt (tatsächlich) an uns! – Septemberbilanz“ nachlesen und wenn ihr wollt gerne auch kommentieren.

Im Oktober geht es mit einer neuen Kurzgeschichte weiter. Der Titel der Erzählung lautet „Was Theo neulich passiert ist“ und ist ein versöhnlicher Text über das Älterwerden. Viel Spaß damit!

© Text: Oliver Graf, Foto: Fotografschaft Erlangen

6 thoughts on “Erzählung des Monats – 09/17

  1. Martin Keim

    Wow, du schreibst mir aus der Seele ❤

    • Oliver

      🙂 Danke, das freut mich sehr! … vor allem bei einem Thema, das mir selbst besonders wichtig ist.

  2. Helga

    Die Erde meldet sich ja schon laufend zu Wort. Sie schreit…………….

    • Oliver

      Nur hören es leider (zu) wenige! 🙁

  3. Friederike Zechner

    Dem feinsinnigen Schriftsteller kommt als Analogie zur Pupille dieses wunderbare Foto zupass, bei dem man allerdings noch in unberührt scheinende Natur zu schauen scheint. Aber wen von denen an Hebeln der Macht soll man wählen, der sich die Erde auf die Fahne heftet? Aber natürlich müssen wir uns selbst vor jedem Weg, jeder Neuanschaffung, jedem Kauf fragen, ob nötig oder nur Jux und Tollerei auf Kosten der Natur…

    • Oliver

      Danke für dein Feedback! Und ja, genau darum geht es: Jeden Einzelnen dazu zu animieren, über seinen persönlichen Konsum nachzudenken. Das damit verbundene Gedankenexperiment, welche Konsequenzen das für die Umwelt und die Gesellschaft haben könnte, wäre vielleicht eine weitere Erzählung wert. Das wäre dann vielleicht eine echte Utopie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.