Hinterhöfe und Paris

Den Platz neben mir? Den gilt es bei „Literatur im Studio“ jedes Mal neu zu besetzen. Aber ich fühle mich in einer komfortablen Situation: es gibt Anfragen von Autoren (die zu vertrösten mir dennoch schwer fällt), meist habe ich schon lange im voraus jemanden im Kopf – und manchmal ergibt es sich auch etwas anderes.

Das Publikum bei „Literatur im Studio“ kennt die Ausgangslage: Abgemildert durch eine konstante Größe, einem, von dem man ungefähr weiß, was kommt, gibt es auch immer etwas Neues, etwas Unbekanntes. Das ist das Konzept der Veranstaltungsreihe.

Aber generell, ist das nicht ein Beispiel für die „gesunde Mischung“? Ist es nicht immer wieder Zeit für etwas Neues? Zeit, um etwas auszuprobieren? Nur im Alten verhaftet zu sein wird doch langweilig, alles vorher zu kennen ebenso.

Auch für mich ist es eine Notwendigkeit mich immer wieder zu hinterfragen, zu suchen, zu versuchen, anders wäre es Stagnation und Routine. Es gilt die Herausforderung anzunehmen, glücklich zu werden. Und bei diesem Glück geht es nicht um Geld, Autos oder andere Oberflächlichkeiten. – Wir verstehen uns.

Aber es gibt Menschen, die darüber hinausgehen, die Konstanz und Sicherheit ruhen lassen, die Wege betreten, mit denen sie bisher höchstens geliebäugelt haben. Menschen, die auf den Prüfstand stellen, ob es auf diese Art weitergehen kann, weitergehen soll.

Den Mut zur Neuorientierung bringt mein kommender Gast für „Literatur im Studio“ auf. Diesen Mut will ich unterstützen.

So sitzen wir gemeinsam im Studio, im Büro oder Backstagebereich (wie er nur von mir genannt wird). Wir besprechen die kommende Veranstaltung. Wir wollen das versuchen. Zusammen. Mal etwas Neues. Beide wollen wir das.

Und beide wissen wir, dass es gut werden wird, dass es beiden gut tun wird und dass es auch beim Publikum ankommen wird.

Es geht um die Idee der Veranstaltung, es geht darum, das Neue zu versuchen, zum Wachsen zu bringen und bekannter zu machen. Dem Neuen einen Rahmen zu geben. Es geht um Literatur, Aufbruch und Verklärung, das Gefühl der Gemeinsamkeit, der intellektuellen Verbundenheit – und um Bohème. Es geht um Spaß und um Ernst, es geht um das Leben als Ganzes und darum, es zu zelebrieren.

Es geht um Hinterhöfe und es geht um Paris.

Wer das nicht versteht, beim dem haben wir es entweder noch nicht geschafft, den Funken zum Überspringen zu bringen, oder der war noch nie bei „Literatur im Studio“, der Veranstaltungsreihe, die für mich und für andere so viel mehr geworden ist, als eine Lesung.

Und wer eben so wunderbar zu dieser ganzen Idee passt, das ist mein Gast für die kommende Ausgabe: Anna-Lina Blank. Bisher auf Lesebühnen unterwegs, kommt sie am 10. Mai zu mir ins Studio. Denn: Es ist immer Zeit für etwas Neues!

Literatur im Studio #5 mit Anna-Lina Blank
Freitag, 10. Mai 2019, 19:30
Luitpoldstraße 46, Erlangen

Eintritt: wie immer frei

Foto: Fotografschaft Erlangen

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