Reale Schauplätze

Zwar habe ich von keinem Leser von „Fast eine Jugend“ die Rückmeldung bekommen, sie oder er habe einen echten Schauplatz vermisst, aber es mag vielleicht jemanden gegeben haben, der sich das gedacht hat. Zumindest in einem Schreiben, das ich während der Verlagssuche erhalten habe, war genau das bemerkt worden. Nach dem Motto: „Wo spielt denn das eigentlich?“ Ebenso vermutete ein, der journalistischen Zunft zugehöriger Lesungsbesucher die Handlung „an einem Nicht-Ort“.

Tatsächlich war es mir unwichtig, wo die Geschichte von Friedrich genau spielt. Am Rande einer Großstadt, das schon, und an der Ostsee. Aber die Stadt, die konkreten Orte, die Friedrich besucht, waren für mich beliebig und austauschbar – und deshalb habe ich sie bewusst weggelassen. Für mich musste der Roman auch ohne Lokalkolorit bestehen können.

Auch als Leser ist mir die Umgebung, in der eine Geschichte spielt, meist ziemlich einerlei. Vielleicht kann ich auch deshalb wenig Leidenschaft für Lokalkrimis entwickeln, da für mich die Qualität des Textes deutlich über dem Wiedererkennungswert von Straßennamen und Plätzen steht.

Übrigens, einziger Bezug in dem Roman auf einen realen Ort ist Friedrichs Familienname: Aufsess (oder eigentlich Aufseß), ein kleiner Ort in Franken – mit der weltweit höchsten Brauereidichte pro Kopf.

Beim „Leben als Konjunktiv“ war das etwas anders. Hier gibt es zumindest einen Schauplatz, der tatsächlich existiert. Und das in einer der Lieblingsgeschichten meiner Frau: „Der Koffer aus Tripolis“. Das Lokal, das Liselotte und Erwin Heinemann darin besuchen, „Bernhauer’s Genussrestaurant“, gibt es tatsächlich. In Wien, in der Pfeilgasse.

Das neue Buchprojekt stellt alles bisher gesagte nahezu auf den Kopf, denn der Roman wird in einer konkreten Stadt und an real existierenden Schauplätzen spielen. Weniger aus Opportunismus oder weil es die Geschichte wirklich braucht, aber ich erachte es als eine hilfreiche Ergänzung. Und die Stadt war und ist eine Inspiration für mich, und für diese sollte ich vielleicht auch einmal Danke sagen.

Die Rede ist von Wien.

Aber wie sieht es eigentlich bei euch aus? Ist es für euch wichtig oder hilfreich, wenn die Geschehnisse einer echten Stadt, echten Orten zuzuordnen sind? Oder ticke nur ich mal wieder anders.

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