Wenn man Gerüchte kocht

Manchmal passiert es, dass ein Abend einfach funktioniert. Auch wenn man sich vorher alles Mögliche ausdenkt, das schiefgehen könnte, nur weil man durch die „Unvorsichtigkeit“ anderer in eine Situation „gerutscht“ ist.

Man erwartet Gäste. Eigentlich fast die übliche Runde. Man kennt einander, hat schon des Öfteren einen Abend miteinander verbracht. Garantiert gute Stunden.

Aber dann ist da ja noch jemand eingeladen. Theaterleute. Vom Ensemble in Erlangen. Zum Kochen, Essen und Plaudern. Zum lockeren Austausch. Um das Publikum kennenzulernen. „Gerüchteküche“ nennt sich die Idee. Und wir sind die Premiere.

Das hat Potenzial selbst bei leidenschaftlichen Theatergängern Verunsicherung hervorzurufen. Abgehoben könnte der Abend werden, „g’spreizt“, wie wir in Österreich sagen. In Richtung Prüfungssituation. Jedes Wort wie die Zutaten abgewogen, jede Feststellung zerkaut wie ein zähes Stück Fleisch, die Sätze poliert wie das Besteck.

Und dann, ja dann kommen Karoline und Violetta. Und alles wird ganz anders.

Wir kochen gemeinsam (vegan und mehr der Nase nach, als mit Waage und Messbecher) und vom ersten Moment an macht es unheimlich viel Spaß. Wir schnippeln Zwiebel und Kürbisse um die Wette, während wir uns über „Hexenjagd“, „Die Jungfrau“ und „Angstmän“ austauschen. Wir zerpflücken den Salat und den Spielplan. Wir stoßen auf den Abend an, auf „Nathan“ und überhaupt auf das Leben und das Kennenlernen. Wir tauschen uns über Gemeinsamkeiten aus (ein Schlückchen auf „Wanda“ und darauf, dass die beste Freundin die Wohnung gleich in der Nähe hat). Wir erfahren viel neues über das Schauspieler- und Dramaturgendasein und staunen gemeinsam über die Aktualität von „Wir sind keine Barbaren“ und „dem Weisen“. Getratsche wie am Markt. Darauf einen Grappa.

Es wird laut, es wird immer lustiger, es wird spät.

Irgendwann sind alle Paprikaschnittchen gedippt, die letzte Rosmarinkartoffel aus der Pfanne gestibitzt und die was weiß ich wievielte Flasche Wein ausgetrunken (noch eine mehr wäre echt unvernünftig, „ich muss morgen meinen Text lernen“). Die Zeit ist einfach verflogen. Noch einmal „Bologna“ – manche singen mit.

Am Ende heißt es Abschied nehmen, was schwer fällt. Aber wir sehen einander ja sicherlich wieder.

Ich lese noch einmal den Eintrag im Gästebuch und muss schmunzeln, weil ich mich so freue, dass der Abend passiert ist, dass jemand so unvorsichtig war, die Gerüchteküche zu initiieren und den Besuch einzufädeln. Dankbar und zufrieden klappe ich das Buch wieder zu. Dann räume ich die leeren Flaschen raus. Ein letzter Gedanke im Kopf:

„Leute, geht mehr ins Theater!“

 

„Gerüchteküche“ – Ein lockeres Gastspiel | Produktion: Markgrafen Theater Erlangen | Violetta: Violetta Zupancic | Dramaturgie: Karoline Felsmann | Inszenierung und Küchenbild: Marie Theres Graf

9. 10. 2015 | Weitere Termine: keine, es war einmalig!


Die Gerüchteküche auf der Seite des Theater Erlangen

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