Das Leben als – Erzählband

Kurzgeschichten wollen geschrieben werden. Sie drängen sich auf, überfallen den Autor. Der gibt nach, ergibt sich dem Schreibfluss, bis der Text fertig ist. Und dann?

„Texte müssen reifen“, sagt man, „reifen in der Schublade.“ Aber leicht rutschen sie dabei unter einen Stapel Rechnungen oder Zeichnungen der Kinder und gehen im Alltag unter. Es hat sich „aus gereift“.

„Texte müssen diskutiert werden“, sagt man. Und der Autor holt sie aus dem Drucker, die Tinte kaum trocken (oder der Laserstrahl kaum verglommen, je nach Technologiestandard des Autors), und bringt sie zum Besten. Bei Lesungen oder anderen Gelegenheiten … um Kritik zu empfangen, um zu hören, ob der Text funktioniert. Und anschließend? Wieder zum Reifen in die Schublade.

Manchmal hat man aber auch Glück und die Geschichten der letzten Monate und Jahre lassen sich dem Schlund des Schreibtisches entreißen. Man sichtet das Material und erinnert sich, beispielsweise daran, dass die  Bekleidung des Staatsanwalts in „Jenny“ als zu kühl für die Jahreszeit angemerkt oder die geografischen Gegebenheiten in „Der Damm“ in Frage gestellt worden waren.

Zusätzlich pflückt man neue Ideen, gießt sie in Worte. Frisch. Ungetestet. Vielleicht ungestüm, aber das Lektorat züchtigt den Leichtsinn. Man rundet ab, schleift und poliert. Man zweifelt, verwirft. Man strafft. Man liebt. Man lernt das Straffen lieben.

Bis das Buch fertig ist. Ein Erzählband. Also Kurzgeschichten.

„Kurzgeschichten sind tot“, sagt man. „Verkaufen sich nicht“, blafft der Erfahrene. Aber wieso eigentlich? Wie oft im Jahr nimmt man sich Zeit für die Oper, aber die Lieder aus dem Radio trällern wir den ganzen Tag. Klar, der Vergleich hinkt, ebenso wie der mit dem Hundertmeterläufer und dem Marathonmann, aber ich liebe nun mal Erzählungen. Sie fügen sich so wunderbar in meinen Alltag – und haben dennoch die Kraft ihn zu sprengen.

Mag man den Roman als die prosaische Königsdisziplin bezeichnen (und ich bin geneigt dem zuzustimmen), dennoch, die Möglichkeiten, mittels Erzählungen in die unterschiedlichsten Facetten des Lebens zu leuchten, sind nahezu unbegrenzt. Das macht den Reiz aus, sie zu lesen. Das ist aber auch die Triebfeder, sie zu schreiben.

Und deshalb habe ich es getan: aus Überzeugung, aus Leidenschaft. Ich habe einen Erzählband veröffentlicht.

„Das Leben als Konjunktiv“ enthält eine Sammlung von Erzählungen mit einem kraftvollen und gnadenlosen Blick auf die Abgründe, Tiefgründe und Höhenflüge des Lebens. Ein emotionsgeladenes Buch voll morbider Charaktere und tragischer Schicksale, die sich hinter den Banalitäten des Alltags verbergen.

So sagt es der Klappentext. Dann sollte es auch stimmen.

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